Doppeljubiläum im Alster Dojo
In diesem Jahr feiert unsere Landestrainerin Kyūdō zwei wichtige Jubiläen: Mit ihrem fortgeschritten runden Geburtstag kann Cornelia Brandl-Hoff gleichzeitig auf 50 Jahre Kyūdō zurückblicken.
Der Weg des Bogens begann bei ihr mit jugendlichen 20 Jahren im Sommer 1976. Connie begleitete ihren Judo-Lehrer und späteren Ehemann Feliks F. Hoff auf eine Reise zu dessen Lehrer Ingagaki Genshiro sensei, dem letzten Oberhaupt der Heki-ryu Insai-ha, nach Japan. Aus geweckter Neugier wurden erste eigene Schritte im Kyūdō und schon nach drei Wochen war sie in der Lage, erfolgreich aufs Mato abzuschießen. Zwei Jahre später beim nächsten Japanbesuch bestand sie erfolgreich den Shodan – und spätestens von dem Moment an gab es kein Zurück mehr.
Es folgte eine außergewöhnliche Karriere in unserem Bogensport, wie sie nur wenige vorweisen oder erreichen können. Da Connie Brandl-Hoff so frühzeitig angefangen hat, gehört sie mit zur ersten Generation der Kyūdōka außerhalb Japans. Neben den vielen Begegnungen in Japan und Europa mit Inagaki Genshiro bis zu dessen Tod 1995, verfolgte sie ein bis heute unablässiges Engagement im Deutschen Verbands-Kyudo – bis hin zu internationalen Ausbildungstätigkeiten gemeinsam mit ihrem Weggefährten Feliks Hoff. Stationen dieser Seminare im Ausland waren u.a. in Finnland, Österreich, Kroatien, Rumänien, Lettland, Litauen, aber auch in England, Holland, Malaysia und Hongkong sowie etliche EKF-Seminare und Shogo-Benkyokai. Langjährige Arbeit als Vize-Präsidentin des Deutschen Kyudo Bundes im Bereich Ausbildung waren für sie, die auch beruflich als Lehrerin tätig gewesen ist, obligatorisch und wurde 2007 mit der Goldenen Ehrennadel des Verbands gewürdigt.
Natürlich können auch ihre persönlichen Erfolge sich sehen lassen: zahlreiche Siege bei Wettkämpfen, Meisterschaften, national und international. Mitglied des Deutschen Nationalkaders. Erster, zweiter, dritter, vierter, fünfter Dan – 1992 als erste Nichtjapanerin Trägerin des Ehrentitels Renshi. Aber damit nicht genug! Connie durfte im Laufe der langen Zeitspanne nahezu alle Facetten des Kyūdō-Lebens kennenlernen: Vom unentwegten Üben und Lernen, dem Treffen und Nicht-Treffen, den aufkommenden Zweifeln, dem An-sich-arbeiten bis zum schmerzhaften Leiden. Doch über allem muss neidlos anerkannt werden, dass sie, allen Mühen zum Trotz, nie die Freude an der Sache verloren hat. Nur vor diesem Hintergrund ist einem Bogen-Menschen die Erfahrung des gelungenen Schusses vergönnt – jenes Augenblicks, in dem alles auf den Punkt kommt und der Tropfen sich mit überraschender Leichtigkeit vom Blatt löst.
Im August 2026 veranstaltete die Kyūdō-Sparte Connie zu Ehren einen besonderen Event im Alster Dojo. Zahlreiche langjährige Freunde und Wegbegleiter sowie aktive Kyūdōka waren gekommen, um bei angenehmen Spätsommerwetter die beiden Anlässe in unseren festlich dekorierten Räumen gebührend zu feiern. Nachdem Feliks F. Hoff, der über die gesamte Zeit in Personalunion auch Connies Ehemann und sempai-sensei ist, ihr zur Ehre und in Würdigung ihrer Verdienste um das Kyūdō ein Yawatashi schoss, folgte eine harmonische Heki Mochi-Mato-Zeremonie eines überwiegend weiblich besetzten Tachi. Dies war insbesondere gedacht als Würdigung von Connies Engagement in der Frauenförderung des Kyūdō. Larah Wessendorf als aktuelle Spartenwartin und Hans-Peter Rodenberg als Begleiter aus frühen Kyūdō-Tagen sorgten für ebenso würdevolle wie emotionale Reden, die von der Jubilarin mit Haltung, aber auch sichtlicher Rührung entgegengenommen wurden.
Die inspirierende Veranstaltung klang anschließend bei Speis und Trank mit lockeren Gesprächen und lebendigen Erinnerungen aus. Nicht nur das üppige und beeindruckende Kuchen-Buffet und der Sake-Umtrunk in der Schießhalle wird allen Teilnehmenden noch lange Zeit in Erinnerung bleiben.